Chronisch erkrankt im Job. Ist das okay?

Ein Job ist und bleibt ein Job. Er wird euch immer Energie ziehen. Aber eine kluge Ärztin sagte mir mal: „Du musst einen Job haben, der dir zwar Energie zieht, aber bei dem deine anschließende Freizeit ausreicht, um dein Energielevel wieder in den positiven Bereich zu bringen.“ Sprich: Habt ihr einen Job, der euch so kaputt macht, dass ihr für nichts anderes mehr Energie habt und nur noch müder und müder und müder werdet – dann stimmt irgendwas nicht. Die Antwort ist nicht immer ein neuer Job. Manchmal ist auch nur ein*e bestimmte*r Kolleg*in energieraubend. Ich habe allerdings auch schon oft erlebt, dass die CED der Auslöser war, sich eben doch einen Job zu suchen, der nicht permanent 200% fordert, denn allein schon mathematisch sind eben nur 100% verfügbar. Alarmphrasen in Jobgesprächen für CED Betroffene sind:

„Wir sind hier eine große Familie“ – da steckt meistens hinter, dass der Job auch das Privatleben auffrisst.

„Das mit den Überstunden regeln wir alle für uns selbst. Da gucken wir nicht so drauf.“ – eine klare, faire Überstundenregelung garantiert euch Freizeitausgleicht, den ihr dringend braucht. Keine Regelung bedeutet meistens, dass unausgesprochen Überstunden erwartet werden. Und die Erwartung zu mehr, mehr, mehr ist absolut bedrohlich für einen entspannten Darm.

„Das fühlt sich für uns alle hier nicht wie ein Job an, das ist unsere Berufung.“ Klingt super, bedeutet in der Regel aber, dass es keine Grenzen zwischen Job und Freizeit gibt. Ständige Erreichbarkeit, niemals Feierabend und die Erwartung „komplett für die Sache zu brennen“ heißt eben auch, dass ihr euren Energiehaushalt komplett niederbrennt.

Kurzum: Versucht eine gute Balance zwischen Spaß am Job, genug Freizeit und liebevoller Umgang mit dem eigenen Körper zu finden.

Zuverlässigkeit

Das Erste, worum ich mich mit CED gesorgt habe, ist: Kann ich im Job überhaupt zuverlässig sein? Schübe kommen aus dem Nichts – müssen meine Kolleg*innen ausbaden, wenn mein Körper streikt? Auch hier ist die beste Lösung: Kommunikation. Ähnlich wie mit Familie und Freund*innen könnt ihr auch von euren Vorgesetzten Verständnis erwarten, wenn ihr die Situation umfassend erklärt. Und ist die CED erklärt, kann man entsprechend eurer Symptome auch planen: Zum Beispiel lässt sich eine Art Notfallplan erstellen, der greift, wenn ihr plötzlich Symptome zeigt. Welche Aufgaben müssen dann übernommen werden? Wo befinden sich die nötigen Materialien dafür? Und ganz entscheidend: Welche To Dos fallen bei anderen Mitarbeitenden weg, damit sie Luft haben für die neuen Aufgaben? Es geht nicht im Mehraufwand für Dritte. Das löst nur Frustration bei allen Beteiligten aus. Es geht um einen guten Plan und eine realistische Priorisierung von Aufgaben. Und das ist doch der Inbegriff von Zuverlässigkeit, right?

Es wird Arbeitgeber*innen geben, die kein Verständnis haben für eine CED und entsprechende Arbeitsausfälle. Es gibt sogar Arbeitgeber*innen, die deshalb Druck ausüben und von euch erwarten, erst nicht mehr zu kommen, wenn ihr euch keinen Zentimeter mehr bewegen könnt. Die Frage ist: Ist es dieser Job wert? Oder könntet ihr in einem anderen Job auch Geld verdienen und ohne diesen Stress vielleicht sogar weniger krank sein? Am Ende ist es so: Entweder Arbeitgeber*innen üben Druck aus, machen euch Stress und provozieren somit Arbeitsausfall, weil dieser Stress als Verstärker eurer Symptome wirkt – oder sie zeigen Verständnis und müssen mit einer guten Balance auch kaum Ausfälle kompensieren. Wichtig ist aber: Kein Job ist es wert, euren Körper zu bestrafen.

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