Sozialer Rückzug bei chronischer Krankheit

Wisst ihr was nervt? Also außer inhaltsloser Wahlkampf, Impfgegner:innen und Schlagermusik unter 5 Bier? Also mehr so auf chronischer-Krankheit-Ebene? Wenn man bei jedem, also wirklich jedem Date mit Freund:innen darüber nachdenkt, ob das zu viel für den eigenen Körper ist. Ob die nächste Energielosigkeit mich am nächsten Morgen heimsucht. Schlimmste Krämpfe auf ein tasty Essen folgen oder sogar ein neuer Schub sich ankündigt, nur weil ich Spaß haben möchte. Wenn diese Angst in mir hochkriecht bei jedem Gedanken an Ausgehen, Kaffee trinken, Ausflüge und mehr. 🙃 Das ist wie einen permanenten Schuldirektor im Kopf zu haben. Aber einen fiesen. So mit Trillerpfeife auch. Und gefährlichem Schnurrbart. Er guckt auch ganz böse, ich sag’s euch.

Am Anfang der Krankheit haben mich diese Gedanken in einen Sumpf aus sozialem Rückzug gezogen. Ich dachte, wenn ich nichts mehr mache, dann bin ich gesund. Guess what – unglücklich sein, macht nicht gesund.💡 Die richtige Balance aus „Freizeitstress“ und „gute Zeit“ ist aber tatsächlich super schwierig zu finden. Ich habe seit ich hier über die chronisch-entzündliche Darmerkrankung schreibe, bestimmt dreimal gepostet, dass ich das jetzt total gut kann. Hiermit beichte ich: Das war jedes Mal gelogen. Allerdings unwissentlich. Vergangenheits-Kathi dachte wirklich oft, dass sie das drauf hat.🤡 

Ach und warum nicht viermal den gleichen Fehler machen: Ich glaube nämlich, dass ich gerade finally wirklich daran arbeite, die Balance zu lernen. Ich sehe mir die Angst an, analysiere, verstehe langsam, wer sie ist, warum sie ist und wann der Schuldirektor im Kopf Sinn ergibt und wann er auch mal Feierabend haben darf. Hier also erneut: Shoutout Psychotherapie. Ich bin einfach absolut im Psychotherapie-Fanclub. Wisst ihr ja. So, so lange habe ich alleine an diesem Problem rumgedoktert – zwar mit Ergebnis, aber eben nur so mittelerfolgreich. Ich sag mal so: Dass Psychotherapeut:innen ne ewig lange Ausbildungszeit haben, hilft halt schon, um sich solchen quersitzenden Gedanken erfolgsversprechender anzunähern als ich es alleine könnte.

Wir müssen wirklich aufhören zu denken, dass Psychotherapie nur für „Gestörte“ ist. Ich meine – denkt das ruhig über mich, all good – aber ich werde es noch 376 Mal sagen (vielleicht öfter, nagelt mich nicht drauf fest): Psychotherapie ist eine riesige, RIESIGE Chance für ein entspannteres, sortierteres Leben. Ich bin im vergangenen Jahr wahnsinnig weit gekommen. Beruflich und privat. Und viel davon habe ich meinem sortierteren, entspannteren Kopf zu verdanken, der viel mehr einordnen kann und somit dem Stress nicht mehr so ausgeliefert ist.

So, dieser Text ist viel zu lang. Ich gehe jetzt Psychotherapie-Fanclub-Shirts & Schüttelkugeln drucken. Ciao! 🥂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s