Vom „empfindlich“ sein & der Angst, zu übertreiben

Ich bin ein riesiger Dickkopf. Und trotzdem lasse ich mich super leicht verunsichern, sobald es um meinen eigenen Körper geht statt um Ethik, Inneneinrichtung oder die beste Sauce zu Pommes. Ich glaube mir selbst nicht. Zweifel nicht nur an der Ursache meiner Schmerzen, sondern manchmal sogar daran, ob sie denn wirklich so schlimm sind wie ich sie wahrnehme. Letzte Woche als meine Ärztin mich ins Krankenhaus schicken wollte, sind mir Tränen in die Augen geschossen und ich sagte: „Meine größte Angst ist, dass sie nichts finden. Dass ich anderen den Platz im Krankenhaus wegnehme.“ Sie sah nur zwischen dem riesigen Stapel meiner Befunde und mir hin und her – nach dem Motto: Haben Sie das mal gelesen?
Diese Verunsicherung ist so riesiger Quatsch, aber manchmal brauche ich ausgebildete Menschen, die Geräte in mich schieben, um mir zu sagen, dass ich nicht den Verstand verloren habe. Und ich glaube das geht vielen so, die eine von außen unsichtbare, chronische Erkrankung haben. Als Kind habe ich oft von Autoritätspersonen gehört: „Du bist so empfindlich, stell dich nicht so an.“ Mein Unterbewusstsein denkt seit dem, dass ich kein Recht habe, behandelt zu werden, wenn es nicht echt schlimm ist. Und in meinem Kopf entbrennen heftigste Diskussionen zwischen Verstand und Unterbewusstsein, was denn nun „echt schlimm“ ist. Nur ein Beispiel: Im Krankenhaus tat mein Zugang weh, aber ich sagte mir: Stell dich nicht so an, andere jammern auch nicht. Kurz vor der Spiegelung guckt sich die Ärztin den Zugang an und sagt: „Uh, der Schlauch steckt ja viel zu weit drin.“ Jetzt – eine Woche später – habe ich einen blauen Fleck da, wo es die ganze Zeit wehtat. Es war also nicht nichts – aber ich räumte mir nicht das Recht ein, etwas zu sagen.
Hier ist ein neuer Glaubenssatz für alle, denen es auch so geht: Ich kenne mich am besten. Besser als alle, die mich nur von außen sehen können. Wenn mit mir etwas nicht stimmt, zeigt mein Körper mir das. Und dann muss ich reagieren, damit andere helfen können. Ich stehe für meinen Körper ein. Und Pommes ohne Mayo haben keine Daseinsberechtigung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s