Leben mit Schmerzen

Schmerzen sind wie eine andere Welt. Eine Welt, in der kein Job, keine Alltagssorgen und so ziemlich gar nichts anderes mehr zählt – da bin nur noch ich. Irgendwo parallel zu meinem Leben. Mit viel zu starken Krämpfen und einem einzigen Wunsch: Dass sie aufhören. In dem Moment schwöre ich mir eine Utopie für meinen Körper zusammen. Dass ich nur noch Schonkost esse, nie wieder Alkohol trinke, ganz viel Hüftöffner-Yoga mache und immer genug schlafe. Mein Körper hält mir die Pistole auf die Brust (die Krämpfe werden so stark, dass nichts mehr geht) und verlangt alles ab: SCHWÖR ES, brüllt er. Und ich schwöre unter Tränen.
Nach so einem Abend bin ich tagelang wie gelähmt – schlafe am Tag. Schlafe auch nachts. Habe Gliederschmerzen als wäre ich einmal um die Welt gelaufen. Und irgendwie bin ich das auch. Eine Runde zu oft in meiner eigenen Welt, anstatt eine Pause zu machen. Ich bin manchmal sehr, sehr sauer auf mich – weil mein Körper mir lange vor so einer Schmerzeskalation Signale in allen Sprachen gibt, mit sämtlichen Zaunpfählen winkt und ich es trotzdem so gnadenlos schaffe, das zu ignorieren. Warum ich das mache? Ein bisschen aus Trotz. Und ein bisschen weiß ich nicht, warum.
Ich tanze jetzt erstmal wieder raus aus meiner Parallelwelt. Rein in die Sonntagssonne. Ohne Schmerzen. Und mit dem Wissen, dass ich noch sehr viel lernen werde, aber mein Körper – so heftig, drohend und wütend er auch sein kann – immer auf meiner Seite kämpft.

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