Darmhypnose

Ich sah einen Baum. Rausgegangen bin ich dafür nicht. Im Gegenteil. Hereingegangen bin ich – ganz tief in mich selbst hinein. Und dann war sie da: Die Natur mit einer weichen Wiese, warmer Sonne, einem plätschernden Bach und einem Baum, der so weiche Blätter hatte wie es sie in der Realität nirgends geben könnte. Ich sah diesen Baum, weil ich etwas Neues ausprobierte: Darmhypnose. Dass der Darm das zweite Gehirn genannt wird, ist spätestens seit „Darm mit Charme“ kein Geheimnis mehr. Dass dieses zweite Gehirn aber auch Probleme bereiten kann, wenn es Schmerzen speichert, das war mir nicht klar. Und dass die einfachste Methode, das Schmerzgedächtnis zurückzusetzen, eine Darmhypnose ist – das habe ich erstmal absolut nicht geglaubt. Wer allerdings 10 Tage im Krankenhaus herumliegt, der hat kaum etwas Besseres zu tun als sich dem Spaß mal hinzugeben und es war beeindruckend. Beeindruckend schön. So schön, dass ich danach weinen musste, weil ich mir selbst nie näher gekommen war als in diesem Moment. Allen, die mit chronischen Schmerzen zu tun haben, kann ich das sehr ans Herz legen. Ich glaube nicht, dass es das Richtige für jeden ist, aber wer sich vorstellen kann, sich darauf einzulassen – sei es aus Verzweiflung oder aus Interesse – der kann viel gewinnen. Ob das Ganze alleine zu bewältigen ist, bezweifle ich eher – ein/e Psychologe/in sollte da aber unterstützen können. Auch jetzt, Monate später, ist dieser Ort eins meiner liebsten Ausflugsziele: um den Bach aufzuräumen, die Sonne hereinzulassen und mich an den Baum zu setzen. Nur ich allein mit mir allein.

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