Zwischen Aliens

Früher wollte ich wie die anderen sein. Wie die coolen anderen – die mit den coolen Schulranzen, die mit der coolen Kleidung, die mit den Connections zu totaler Coolness. Die Wahrheit ist, dass ich eher hinterherrannte mit meiner Fielmann-Brille, dem Mittelscheitel und zu allem Überfluss: einer Zahnspange. Inzwischen weiß ich: Menschen sind wahnsinnig unterschiedlich. „Wie die anderen sein“ – das ist weder möglich noch erstrebenswert. Je mehr mir die Unterschiede auffallen, desto mehr fühle ich mich manchmal ausgesetzt in einer Welt voller Aliens. Oder bin ich der Alien? Wie viele Gedanken in den Köpfen kreisen, die meinen so gar nicht gleichen. Wie viele Empfindungen es für Situationen gibt, die ich so völlig anders empfinde. Und wie oft ich mich rechtfertige. Warum eigentlich? Die Individualität der Menschen gibt den Begegnungen doch ihren Charakter. Verständnis und Respekt sind dafür die Basis, aber Rechtfertigung? Braucht niemand. Für mich hat Rechtfertigung immer etwas mit einer Einordnung als „normal“ und „nicht normal“ zu tun. Leider auch oft mit Verurteilung. In einer Welt voller Aliens ergibt das keinen Sinn. Weil „normal“ nur eine eingeschränkte Perspektive ist und Verurteilung nur die fehlende Reflektion dieser Perspektive. So oft habe ich mir schon vorgenommen, mich nicht mehr zu rechtfertigen – nur noch zu erklären. Mich nicht verurteilen zu lassen, weil meine rechtfertigende Reaktion darauf, das Urteil erst zum Urteil werden lässt. Jetzt nehme ich es mir noch einmal vor. Bis es irgendwann klappt.

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